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CHINA MOSES

Samstag

15.

Mai

2010

22:00 h

CHINA MOSES &
RAPHAEL LEMONNIER QUARTET

JAZZ / USA, FR

"This One's for Dinah"

China Moses (voc)
Raphael Lemonnier (p)
Fabien Marcoz (double b)
Anne Paceo (dr)

Man hätte nicht unbedingt damit rechnen können, dass China Moses und Raphaël Lemonnier dazu bestimmt sein würden, ein gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen. Zu unterschiedlich sind die Karrieren der beiden Künstler bisher verlaufen und es gab keinen triftigen Grund, warum sich die amerikanische Sängerin und der französische Pianist überhaupt begegnen sollten.

China Moses ist eine Sängerin, Autorin, Songwriterin und Produzentin, die ihre vielen Talente auch schon MTV als Moderatorin zur Verfügung stellte, die aber vor allem als Künstlerin den Prototyp einer amerikanischen Entertainerin verkörpert.  Dieser Teil ihrer Persönlichkeit wurzelt eigentlich in ihrer Kindheit, in der sie sowohl mit der Welt der Musik als auch der des Theaters häufig in Berührung kam. Von ihrer Mutter, der Sängerin Dee Dee Bridgewater,  erbte sie die Fähigkeit, langfristig an der Verwirklichung ihrer Ziele zu arbeiten.  Ihr Vater, Gilbert Moses, der 1995 starb, war ein erfolgreicher Film- und Fernsehregisseur, der unter anderem für die TV-Serie Roots verantwortlich zeichnete und auch den Kultfilm Willy Dynamite gedreht hatte. Er brachte ihr nicht nur bei, dass sich harte Arbeit immer lohnt, sondern prophezeite seiner Tochter kurz vor seinem Tod, dass sie bei Virgin Records unterkommen würde. Seine Hoffnung bestätigte sich dann wirklich, als China bei Source, einem französischen Virgin-Label, ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb. Ihre erste, 1996 veröffentlichte Single „Time“, zu der Jean-Baptiste Mondino einen vielbeachteten Videoclip drehte, war ein guter Karrierestart. Seitdem hat die Sängerin drei Alben veröffentlicht – „China“ (1997), „On Tourne En Rond“ (2000) und „Good Lovin‘“ (2004) – sowie mit einer Reihe von renommierten Künstlern zusammengearbeitet, darunter Me’shell Ndegeocello, Etienne de Crécy, Guru, Camille, Diam und DJ Mehdi, was ihren guten Ruf in der Welt des Rhythm’n’Blues festigte.

Die Karriere des Pianisten Raphaël Lemonnier war dagegen stärker auf Jazz ausgerichtet. Sein Debüt gab er in der Nîmes Big Band unter der Leitung von Jeff Gilson und später Roger Guérin. 1986, während eines einjährigen Aufenthalts in New Orleans, spielte er in Guy Labory’s Creole Jazz Band und entwickelte eine Vorliebe für Boogie-Woogie, dessen Kunst er unter den Fittichen von Philippe Lejeune vertiefte. Zu seinen weiteren Lehrern auf dem Weg zum professionellen Musiker gehörten Philippe Duchemin und die Jazz-Koryphäe Jaky Byard, bei dem er 1997 in New York Piano studierte. In den USA veröffentlichte er auch sein erstes Album, „Raphaël Lemonnier Trio“, eine Hommage an Errol Garner, den er neben Oscar Peterson, Earl Hines und Count Basie zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt.


Diese beiden Künstler zusammenzubringen, bedurfte es nicht nur der gemeinsamen Leidenschaft für Jazz, die auch bei China Moses ein fester Bestandteil ihres Werdegangs ist, sondern auch einer passenden Gelegenheit. Die bot sich bei einem Konzert der avantgardistischen Gesangskünstlerin Camille im Pariser Café de la Danse, bei dem sie nicht nur China als Backgroundsängerin verpflichtet, sondern für zwei Songs auch Raphaël als Gastpianisten eingeladen hatte. Als Raphaël, der sein Gehör so gut geschult hat, dass er für besondere Talente immer empfänglich ist, China zum ersten Mal singen hörte, fragte er sie gleich, ob sie nicht Lust hätte, an dem Showprojekt „Dancing“ mitzuwirken. Von da an fügte sich alles schicksalhaft zusammen. Bei einer Autofahrt durch die Camargue hörten sie im Radio einen Song von Dinah Washington und stellten fest, dass sie beide die legendäre Jazzsängerin tief verehren.  Raphaël war schon lange ein Fan von Washington und China hatte schon als Kind deren Songs heimlich im Haus ihrer Großmutter gehört, weil diese fand, die Songtexte seien für Kinder ungeeignet.


Höher hätte die Messlatte für China Moses kaum liegen können. Doch ihre kongeniale Mixtur aus künstlerischer  Intelligenz und gutem Geschmack bestärkte sie darin, dass bei einem angemessen Tribut an Dinah Washington das Temperament  dominieren muss. In diesem Punkt konnte China ganz ihrem Talent vertrauen. Es ist schon beeindruckend, wie sehr sie offenbar die Welt von Dinah Washington verinnerlicht hat. Wenn sie den Blues singt, bringt sie ihn in Eigenkompositionen wie der Hommage „Dinah’s Blues“ ebenso zum Glühen wie bei ihren Interpretationen von „Evil Gal Blues“, „Fat Daddy“ und „Fine Fine Daddy“, wobei letztgenannte Nummer das Album mit hinreißendem Drive und im Stile einer klassischen Big Band eröffnet. China kann sich auch auf bemerkenswerte Art und Weise Standards zu Eigen machen, was sie mit ihren Versionen von „Cry Me A River“ und „Goodbye“ unterstreicht. Die Arrangements  rücken dabei stets ihre Stimme in den Mittelpunkt, die sie bei „Mad About The Boy“ und „Teach Me Tonight“ mit großer Zurückhaltung und enormer Sensitivität einsetzt. Natürlich verzichtet sie auch nicht auf Dinahs großen Hit „What A Difference A Day Makes“ und als kleines Juwel entpuppt sich auch die Eigenkomposition „Gardenias For Dinah“, mit dem dieses superbe Projekt ursprünglich begonnen hatte und das nun den Schlusspunkt setzt. Jeder der beteiligten Musiker brachte sich bei den Aufnahmen so gut ein, dass man den guten Geist, der im Studio geherrscht haben muss, förmlich spürt. Mit „This One’s For Dinah“ setzen China Moses und Raphaël Lemonnier einer Legende ein denkbar vitales und zeitgemäßes Denkmal. Dass dabei das Scheinwerferlicht ganz hell auf China Moses fällt, liegt in Anbetracht ihrer phänomenalen Stimme auf der Hand. Letztes Jahr hintrließ sie bei ihrem Publikum einen bleibenden Eindruck - einfach hinreißend!

Vorverkaufspreis bis einen Tag vor dem Konzert
17,00 € zzgl. 0,50 € CTS Systemgebühr,
ohne Vorverkaufsgebühr beim Kauf der Tickets im Quasimodo Café.
Tageskasse: 20,00 €
 
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